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Abb.: M. Zalewski

Berliner Institut für Islamische Theologie

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Promotionsprojekt: Verantwortung. Versuch der Grundlegung eines ethischen Begriffs in der islamischen Tradition

Nadja Aboulenein, M.A. 

 

Als zentraler Begriff ethischer Theorien ist dem Verantwortungsbegriff eine wichtige Rolle zuzumessen, wenn es darum geht, ethische Konzepte der islamischen Tradition neu zu denken und einen Beitrag zur Bearbeitung gegenwärtiger ethischer Fragen zu leisten. Dieses Promotionsprojekt strebt daher eine Grundlegung des Begriffs der Verantwortung aus islamischer Perspektive an.

Ausgehend von einer historisch-philosophischen Voruntersuchung zum Verantwortungsbegriff sollen zunächst zentrale Frageperspektiven (wie die Bedeutung als Zuschreibungsbegriff von Handlungen zu Subjekten, die Unterscheidung einer prospektiven beziehungsweise retrospektiven Verwendungsweise oder dem Problem der Verantwortungsinstanz) identifiziert werden und als Grundlage der dann folgenden Analyse der islamischen Tradition dienen. Dabei werden exemplarisch mehrere relevante Diskussionen betrachtet, die unterschiedliche Aspekte der Verantwortung reflektieren.

Auf Basis einer historisch-kritischen Lektüre des Korans wird zunächst der Versuch unternommen, die Bedeutung „Gefragtwerdens" (suʾila) für die Verantwortungskonzeption in der koranischen Theologie herauszuarbeiten. Danach wird die nachkoranische Islamische Theologie in den Blick genommen, wobei zunächst exemplarisch die Konzeption von taklīf („Auferlegung") bei Abū ṣ-Ṣalāḥ al-Ḥalabī (gest. 447/1055) untersucht wird. Dieser Begriff spielt sowohl in der Kalām-Theologie als auch im Fiqh eine wichtige Rolle. Dem folgt eine Analyse des kasb-Konzeptes („Erwerb") in der Behandlung von al-Ǧuwaynī (gest. 478/1085), welches eng mit dem ašʿaritischen Verständnis von göttlicher Allmacht und menschlicher Willensfreiheit verbunden und von zentraler Bedeutung für die Zuschreibung von Handlungen ist. Die Unterscheidung von kollektiver und individueller Verantwortung, die in der islamischen Normenlehre anhand von farḍ kifāya und farḍ al-ʿayn diskutiert wird, wird in den Texten von al- Māwardī (gest. 450/1058) untersucht werden, bevor dann im letzten Teil der Blick auf die Moderne gerichtet werden kann.

In der Auswertung wird dann in Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Diskussion der Versuch unternommen, den ethischen Begriff der Verantwortung vor dem Hintergrund der Untersuchung der islamischen Tradition neu zu verorten.