Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Berliner Institut für Islamische Theologie

Humboldt-Universität zu Berlin | Berliner Institut für Islamische Theologie | Forschungsgruppen | NWG "Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft"

Nachwuchsforschungsgruppe "Islamische Theologie im Kontext. Wissenschaft und Gesellschaft" (gefördert durch das BMBF)

Ausrichtung

Ziel der Nachwuchsgruppe (NWG) ist es, sowohl für die Selbstvergewisserung der islamischen Theologie als akademische Disziplin als auch für ihren Mehrwert für die Gesellschaft in akademischen und anwendungsbezogenen Feldern den bisher vernachlässigten Bereich der Praxis für den theologischen Zugriff zu erschließen und umfassend zu analysieren. Dabei unterscheidet die NWG zwischen den drei Begriffen religiöse Praktik, religiöse Praxis und Religionspraxis.

Religiöse Praktiken sind durch das Zusammenkommen von menschlichen Körpern und religiösen Artefakten sich ereignende und damit körperlich wie dinglich verankerte religiöse Aktivitäten von Menschen. Als Handhabe von Dingen und körperliche Bewegungen bilden sie somit die kleinste Einheit einer jeden Religions- bzw. religiösen Praxis.

Religiöse Praxis ist zuallererst eine Verkettung religiöser Einzelpraktiken, in denen körperliche Routinen und praktische Fähigkeiten zum Tragen kommen. Dieses praktische Wissen ist weder als einzeln, individuell oder punktuell zu betrachten, noch handelt es sich hier um die bloße Anwendung bewusst reflektierter Normen oder Regeln. Vielmehr folgt die religiöse Praxis einer impliziten und von den Beteiligten nicht immer rationalisierten Logik.

Unter Religionspraxis ist das Praktizieren von Religion und Spiritualität im Sinne der bewussten und reflektierten Anwendung von Religion mit dem Ziel der Heilserlangung zu verstehen. Im Unterschied zur religiösen Praxis, die sich primär durch eine vorreflexive Religiosität auszeichnet, liegt hier eine bewusst reflektierte Religiosität vor, in der Handlungen als islamisch-religiös benannt und entwickelt werden.

Im Rahmen zweier PostDoc-Projekte und zweier Promotionsvorhaben akzentuiert die NWG die genannten Bereiche als jeweils eigenständige Forschungsgegenstände. Perspektivisch will sie diese von ihrer bisherigen Rahmung als Anwendungswissenschaft des normativen Wissens befreien und auf diese Weise über (dichotome) Kategorien wie etwa Ḥalāl und Ḥarām hinausdenken. Sie identifiziert und untersucht Formen, die Produktion, Zirkulation und Autorisierung von religiöser Praxis, religiösen Praktiken und Religionspraxis in Deutschland angesichts multipler, transkultureller, interkonfessioneller und sich zum Teil widerstreitender islamisch-religiöser Formierungen im gesellschaftlichen Kontext. Sie ist dabei gegenwartsbezogen, empirisch und interdisziplinär, ohne die historische und textliche Dimension der Forschungsgegenstände zu vernachlässigen.

Zweck der Forschungen der NWG ist es, mit diesem Fokus die Performanz des Religiösen stärker ins Blickfeld islamtheologischer Forschung zu rücken und damit die Wissensbestände und Bezüge der Islamischen Theologie zu erweitern. Perspektivisch soll die NWG sowohl zur weiteren wissenschaftlichen Fundierung der Islamischen Theologie in Deutschland als auch zu übergreifenden Fragen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften beitragen sowie mit neuen Erkenntnissen in gesellschaftlich relevante Anwendungsbereiche wirken (z.B. Bildungssektor, Bereiche der Praktischen Theologie, Religionspädagogik, Soziale Arbeit, Sozialethik).