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▼ Zielgruppen ▼

Berliner Institut für Islamische Theologie

Modul „Gemeindearbeit“ der Weiterbildung "Muslimische Potenziale in der Sozialen Arbeit"

Am 11./12.09.2020 fand das Modul „Gemeindearbeit: Potenziale und Herausforderungen“ unter Leitung von Dr. Ayşe Almıla Akca (BIT) an der KHSB in Präsenz statt.

Foto: Almila Akca
Die zertifizierte Weiterbildung „Muslimische Potenziale in der Sozialen Arbeit“ an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) ist ein Kooperationsprojekt der KHSB, dem Berliner Institut für Islamische Theologie (BIT) und dem International League of Academicians, Köln (ILM e.V.). Ziel der Weiterbildung ist es, die Soziale Arbeit aus muslimischer Perspektive zu reflektieren. Zielgruppe sind einerseits Personen, die in Moscheegemeinden sozial-caritative Leistungen erbringen und andererseits Personen, die bereits professionell in der Sozialen Arbeit tätig sind und ihre Kompetenzen im Hinblick auf Religionssensibilität erweitern möchten.

Die Weiterbildung besteht aus sechs Modulen. Bereits stattgefunden haben unter Leitung von Prof. Dr. Christine Funk (KHSB) das Modul „Grundlagen des Beratens: Kommunikation und Religion“ (Februar 2020) und das Modul „Jeder Mensch hat ein Recht auf Seelsorge“ (August 2020).

Foto: Hakan Aydın
Das zweitägige Modul „Gemeindearbeit: Potenziale und Herausforderungen“ wurde eingeleitet mit einem wissenschaftlichen Vortrag von Dr. Akca über Entwicklungen in der Gemeindearbeit. Besonderes Augenmerk wurde auf Potenziale, Herausforderungen und Zielgruppen gelegt, die im Zusammenhang mit Soziale Arbeit im Fokus stehen. Akca argumentierte, dass eine Aufspaltung von Angeboten in Gemeinden in „religiöse“ und „nichtreligiöse“ Angebote nicht zielführend sei, da sozialethische Dienste Teil des religiösen Ethos seien und als solche einen gewichtigen Stand in der Arbeit für die Gemeinde innehaben. In ihrer Präsentation problematisierte Akca strukturelle Bedingungen der Gemeindearbeit, die Auswirkungen auf Reichweite, Professionalität und Zielgruppenarbeit haben. Daran anschließend hat die Referentin Pınar Çetin (Deutsche Islam Akademie e.V., Berlin) in Interaktion mit den 10 Teilnehmenden sozial-caritative Angebote in Moscheen identifiziert und diese in Hinblick auf Professionalität, Expertise und Nachhaltigkeit bewertet. Çetin stellte „Leuchtturmprojekte“ an gelungener muslimischer Sozialarbeit vor. Sie argumentierte, dass viele der erfolgreichen Vereine ihren Ursprung in der Moscheegemeinde nahmen (z.B. Sozialdienst muslimischer Frauen). In der letzten Einheit am Freitag legte Mona Feise-Nasr (BIT) aufbauend auf den neuesten Forschungsergebnissen die Argumentationsstruktur von (inter-) bzw. bireligiösen Paaren für ihre Partnerschaften dar. Mit den Teilnehmenden wurde anschließend die Frage diskutiert, ob (inter-)bzw. bireligiöse Partnerschaften ein Thema für Gemeindearbeit sind bzw. sein sollten. Der zweite Tag begann mit einem Workshop von Alexander Amir Fahim (Türkische Gemeinde in Deutschland e.V., Berlin) zu Finanzierungsmöglichkeiten von muslimischer Gemeindearbeit. Fahim erarbeitete zusammen mit den Teilnehmenden Kernpunkte der Förder- und Antragskultur. Dabei konnten die Teilnehmenden exemplarisch an einem Förderantrag mitwirken und Herausforderungen in der Antragstellung diskutieren.
Foto: Almila Akca
Der Samstag wurde abgerundet mit einem Beitrag von Lydia Nofal (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V. Berlin), die verschiedene Berliner Projekte aus der muslimischen Jugendsozialarbeit ausführte und dabei die Rolle von Multiplikator*innen, die gesellschaftliche und politische Unterstützung sowie den Stand der Professionalisierung und der jeweiligen Projekte darlegte. Wie Fahim schon machte Nofal besonders auf die Herausforderungen aufmerksam, die durch Kooperation mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren entstehen, wie diese reflektiert und professioneller gestaltet werden können.

Zusammenfassend wurde in diesem Modul zum einen das Potenzial von muslimischer Gemeinde(sozial)arbeit deutlich, zum anderen konnten Instrumente vermittelt werden, die zu einer Professionalisierung des muslimischen Ehrenamts beitragen können. Auf der virtuellen Lernplattform der Weiterbildung stehen den Teilnehmenden sowohl die Präsentationen als auch weiterführende Literatur zum eigenständigen Lernen und späterem Nachschauen bereit. Das nächste Modul „Plurale Gesellschaft – religionssensible Gesellschaft? Religionssensibilität als Pluralismuskompetenz“, ebenfalls unter Leitung von Dr. Akca, findet am 06./07.11.2020 wieder in Berlin statt.