Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼
Startseite der Einrichtung
Abb.: M. Zalewski

Berliner Institut für Islamische Theologie

Ramadan in Corona-Zeiten: „Fasten tut man für sich und Gott, aber ohne die Gemeinschaft fehlt manchen der Sinn“

Interview mit Dr. Ayşe Almıla Akca, Leiterin der Nachwunschforschungsgruppe II am Berliner Institut für Islamische Theologie

Dr. Ayşe Almıla Akca

Ayşe Almıla Akca, Foto: Matthias Heyde

Frau Akca, in Ihrem Forschungsprojekt „Islamische Feiern, umweltethisches Handeln und Soziale Arbeit“ geht es u.a. um den Monat Ramadan. Inwiefern ist der muslimische Fastenmonat dazu geeignet, die drei Begriffe in Ihrem Forschungsvorhaben zusammen zu bringen?

Akca: Der Fastenmonat Ramadan ist diejenige Zeit, die für Muslim:innen besondere Möglichkeiten für dezidiert religionspraktisches Handeln wie Fasten, Beten, Koranlesungen oder Spenden bietet, das gemeinschaftliche und soziale Handeln fördert sowie recht viele Gelegenheiten für Feierlichkeiten vorsieht.

Nicht nur der Abschluss des Ramadans mit dem ʿĪd al-Fiṭr bzw. dem Ramadanfest gehört zu den religiösen Feiern des Ramadans, sondern auch die gegen Ende begangene Nacht der Offenbarung (Laylat al-Qadr), in der die erste göttliche Offenbarung an den Propheten gefeiert wird. Im Ramadan beginnt das Feierliche bereits beim täglichen Iftar, dem Fastenbrechen am Abend, und den anschließenden freiwilligen Ramadan-Gebetseinheiten in der Gemeinde, die von schnell über sehr spirituell bis ästhetisch ansprechend begangen werden können.

Zum Iftar einzuladen begünstigt Vergemeinschaftung im privaten wie auch im institutionellen Rahmen: beispielsweise bieten Muslim:innen in Moscheen kostenlose Iftars an oder man kann besondere Gebets- und Lerneinheiten besuchen. Schließlich gibt es auch die normative Vorstellung, dass man im Ramadan von seinem Vermögen spendet, Geld wie auch Essen. Umweltethisches Handeln ist oft von Verzicht und bewusstem Umgang mit Ressourcen geprägt; Werte, die gerade in der Fastenzeit auch nochmal stark ins Bewusstsein geholt werden können.  In meinen Feldforschungen habe ich entdeckt, dass sich das Fasten nicht nur auf die klassischen Fastenmomente wie Essen und Trinken beziehen kann, sondern auch auf solche Dinge, die als nicht unbedingt notwendig wahrgenommen werden wie z.B. Süßigkeiten, Plastik, Autofahren, soziale Medien. Doch auch Essenspraktiken können sich an solchen Werten orientieren, wenn beispielsweise einfache Speisen zubereitet werden, besonders darauf geachtet wird, kein Essen wegzuschmeißen oder fair gewonnene Zutaten verwendet werden. Mit geht es in meiner Forschung um diese und andere religiösen Praxen, besonders im Ramadan, womit mehr über die gelebten Werte und Normen des Islamischen ausgesagt werden kann, was wiederum relevant für das theologische Nachdenken ist.

Dieses Jahr ist der Ramadan zum zweiten Mal geprägt durch die Vorgaben der Pandemie - religiöse Praxen der Muslim:innen erfahren viele Einschränkungen, da das gemeinsame Feiern über den eigenen Haushalt hinaus fast unmöglich ist. Ist davon auch Ihre Forschung beeinflusst?

Akca: Ja, ganz richtig, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beeinflussen nun zum zweiten Mal ganz erheblich die sozialen und kollektiven Komponenten des Fastenmonats und auch meine forschende Haltung. Anstelle von intensiver teilnehmender Beobachtung muss ich auf Interviews und Gespräche über die Praxis im Ramadan ausweichen und vermehrt Daten aus der digitalen Welt sammeln und auswerten. Damit ändern sich auch meine Auswertungsziele. Hatte ich vorher das alltägliche und meist nicht vollkommen bewusste und rationalisierte Tun der Menschen im Blick, frage ich jetzt danach, wie in den verbalen Äußerungen im Interview oder in Gesprächen sowie in digitalen Posts die eigene Praxis im Ramadan repräsentiert und reflektiert wird. Es geht also viel stärker um die geäußerten Haltungen, Motivationen und Sinnzuschreibungen als um die von statten gehenden Handlungen und die zugrunde liegende Logik. Zum Glück kann ich auf mehrere Jahre Feldforschung in muslimischen Milieus zurückblicken, so dass ich frühere Ramadan-Beobachtungen mit heutigen, unter Pandemie-Bedingungen entstandenen, Daten in Beziehung setzen kann.

Beobachten Sie unter Muslim:innen, die den Ramadan begehen, neue Formen religiöser Praxen durch die Pandemie?

Akca: Auch solche Praxen, die als ganz neu erlebt oder so präsentiert werden, sind in der Regel mehr oder weniger an bekannte gebunden. Ihr Neusein verdankt sich eher ihrer Affirmation in einem neuen Umfeld, neuen Sinnzusammenhang oder einfach nur ihrem Transfer von der Marginalität ins Zentrum. Die starke Verlagerung der gesamten sozialen Praxis ins Digitale ist beispielsweise so eine Bewegung. An der können diejenigen partizipieren, die über das technische Know-how und den Willen verfügen, und das sind doch recht viele. Der virtuelle Austausch wird im Ramadan noch mal stärker als gemeinschaftsstiftend wahrgenommen. War vor der Pandemie „Facebook-Fasten“ oder ähnliches ein Trend unter vielbeschäftigten Muslim;innen, die mit diesem Verzicht, eine entschleunigte Besinnlichkeit im Ramadan erleben wollten, beobachte ich dies in diesem Jahr so gut wie nicht. Ganz im Gegenteil scheinen die digitalen Hilfsmittel zur Kommunikation und zum Austausch noch mal stärker im Ramadan genutzt zu werden. Vieles, was sonst in der physischen Gemeinschaft begangen wurde, wie beispielsweise Koranlesungen oder gemeinsame Bittgebete, werden nun über Zoom abgehalten. Manche halten zum Iftar ihre Video-Telefonate offen, um doch ein gemeinschaftliches Fastenbrechen zu ermöglichen.

Leider ist es für Forschende unter den Bedingungen der Kontaktbeschränkungen kaum möglich, im Privaten zu forschen. Was Muslim;innen in ihren jeweiligen privaten Bereichen, mit oder ohne digitale Medien, unter Pandemie-Bedingungen an neuen religiösen Praxen entwickelt haben, ist nicht so klar zu beantworten. Ich sehe beispielsweise, dass bei fast allen Muslim:innen, die ich befragt habe, die Absenz von physischer Gemeinschaft bzw. Geselligkeit im Ramadan als unpassend betrachtet wird. Klar, Fasten, das tut man allein, nur für sich (und Gott). Aber ohne die sozialen Komponenten scheint das Fasten bei einigen den persönlichen Sinn nicht ganz zu treffen. Bei anderen ist dagegen ein sehr bewusstes Ramadan-Erleben in den Fokus gerückt, mit durchstrukturierten Tages- und Wochenplänen zu Essen, Gebeten, Erwerb von Wissen über die Religion u.a. Hier ist auch interessant, wie manche verstärkt auf spirituelle Praktiken, wie eigene Koranlesung und Meditation ,zurückgreifen. Ein Trend der letzten Jahre ist auch, dass vor und im Ramadan vermehrt Angebote vorhanden sind, die sich der Reflexion über den eigenen Körper, das eigene Verhalten und über die eigene muslimische Identität widmen. Ohne das Gesellige im Ramadan scheint für manche mehr Raum und Zeit für die Bewusstwerdung der religiösen Gefühle, gerade im Ramadan, möglich zu sein. Zwei Jahre Kontaktbeschränkungen haben ausgereicht, diesen Trend zu verstärken. Ob sich daraus neue Traditionen religiöser Praxis etablieren ist noch offen.

Mit welchen Gefühlen stellen sich Muslim:innen Ihrer Beobachtung nach auf die gegenwärtige Situation ein?

Akca: Ich sehe zum einen die Sehnsucht nach den alten, bekannten Modellen, die einem ja quasi eingeschrieben sind. Sie machen den Sinn und die Freude des Ramadans durch die alljährliche Wiederholung greifbar. Diese Sehnsucht betrifft insbesondere Menschen, die den Ramadan sonst nicht allein, sondern in irgendeiner physischen Gemeinschaft erleben, Familie, Gemeinde, Freund:innen, Nachbar:innen. Seien es nun Iftar-Einladungen, die den sozialen Zusammenhalt stärken, seien es fürsorgliche Taten, die als Gruppe initiiert werden, seien es gemeinsame Gebetseinheiten oder einfach nur der Austausch über das eigene Befinden im Ramadan - all dies fällt weg oder wird höchst sparsam gelebt. Gepaart mit 14 Monaten Social Distancing ist es wohl für viele schwer, auch noch im geselligen Ramadan-Monat auf Kontakte im allgemeinen und gemeinsames religiöses Erleben und Essen zu verzichten. Für manche ist das Fasten im Homeoffice schwerer.

Zum anderen sehe ich nach wie vor, dass es auch Muslim:innen gibt, die durch die Begrenzung des Ramadans auf den eigenen Haushalt, eine entschleunigte und ruhigere Zeit verbringen als in den Jahren zuvor. Davon erzählten insbesondere Frauen, die neben Erwerbsarbeit und/oder Familie oft die Hauptarbeit bei den Iftars übernehmen.

Wie praktizieren Sie in Ihrer Familie den Ramadan unter den aktuellen Umständen? Gibt es da Unterschiede zur Vor-Corona-Zeit?

Akca: Ich lerne, auch durch meine Forschung, wie man unter diesen Bedingungen den Ramadan trotzdem schön mit der Familie verbringen kann. So haben wir bereits letztes Jahr meinen Kindern zum ersten Mal einen Ramadan-Kalender gebastelt, der sie auf das Fest vorbereitet hat. Der Kalender ist eine Mischung aus Lego, arabischem Alphabet und koranischen Suren. Das Fasten fällt mir im Homeoffice auch leichter. Jedes Jahr sehen wir uns im Ramadan einen bestimmten Film an. Aber ja, es gibt auch große Unterschiede zu den Vorjahren. Beispielsweise gab es am letzten Wochenende das erste Mal seit zwei Jahren wieder eine Iftar-Einladung. Meine noch kleinen Kinder hatten schon ganz vergessen, wie das war, und waren ganz aufgeregt. Ansonsten arrangieren wir uns so gut, wie es eben geht.

Das Interview führten Dr. Sara Binay und Cordula de Pous

Mehr Informationen:

Dr. Ayşe Almıla Akca, Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe „Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft“ am BIT

 

Vorlesungsreihe: "Devotional Talks at BIT" im Sommersemester 2021 am Lehrstuhl für Ideengeschichte

 

Poster1 2

Download Poster "Devotional Talks"

Neues Projekt am BIT: Kanon und Zensur in der islamischen Tradition

Im November 2020 hat die neue AIWG Projektwerkstatt „Kanon und Zensur in der islamischen Ideen- und Theologiegeschichte“ ihre Arbeit aufgenommen. Anlässlich des Starts veröffentlichte die AIWG folgendes Interview mit Mohammad Gharaibeh (Humboldt Universität zu Berlin), Bacem Dziri (Universität Osnabrück/Frankfurt) und Amir Dziri (Universität Freiburg, Schweiz). 

„Wir wollen die Kanonforschung auf die islamische Theologie übertragen“

Herr Gharaibeh, Sie werden sich in der Projektwerkstatt mit Kanon und Zensur in der islamischen Ideen- und Theologiegeschichte beschäftigen. Was sind die drei wichtigsten Forschungsfragen, die Sie in der Projektwerkstatt untersuchen wollen?

Mohammad Gharaibeh: In verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, etwa in den Theologien und der Literatur- und Kulturwissenschaft, gibt es bereits eine gut etablierte Kanonforschung und Kanonkritik. Wir wollen uns in der Projektwerkstatt daher zunächst erst einmal anschauen wie die Kanonforschung auf die Islamische Theologie übertragen werden kann. Sprich, was bedeutet eigentlich das Reden von Kanon und Zensur im Kontext der islamischen Ideen- und Theologiegeschichte? Denn bis jetzt sind diese Konzepte und Ideen wenig aufgegriffen worden und auch in der Islamwissenschaft existieren hierzu nur vereinzelt Studien. In einem zweiten Schritt wollen wir uns damit beschäftigen, wie Kanonisierungs- und Zensurprozesse grundsätzlich stattfinden. Interessant ist hier vor allem die besondere Situation im Islam. Hier gibt es weder eine den christlichen Kirchen vergleichbare theologienormierende Institution, noch eine Person oder irgendeine andere Autorität, die festlegen, welchen Texten und Positionen ein normativer Charakter zukommt. Die dritte Forschungsfrage zielt auf die Gegenwart: Was bedeuten die Ergebnisse unseres Projektes eigentlich für die Theologie heute?

Wenden wir uns kurz einer kleinen Begriffsklärung zu. Der Begriff „Kanon“ stammt ursprünglich aus der christlichen Theologie. Herr Bacem Dziri, was verstehen Wissenschaftler_innen in der islamischen Theologie unter dem Begriff „Kanon“? Gibt es ein Äquivalent zur christlichen Kanon-Vorstellung?

Bacem Dziri: Wir gehen davon aus, dass es äquivalente Phänomene gibt. Uns geht es darum, die Herausbildung der Normativität von Texten, Konzepten und Personen nachzuzeichnen. Je nach Disziplin gibt es für die Konzeptionierung dieser Phänomene dann unterschiedliche Begriffe. Diese zu erörtern und Gemeinsamkeiten wie Unterschiede zur christlichen Kanonbildung herauszustellen wäre Teil weiterer Forschung.

Hier lesen Sie das Interview in voller Länge

 


Campusspaziergang

Unter Beachtung der coronabedingten Abstandsregeln haben sich Studierende der Islamischen Theologie im ersten Semester mit ihren zukünftigen Hochschuldozierenden in kleinen Gruppen zu einem Campusspaziergang getroffen. Vor dem BIT-Eingang, wo die Außenflächen noch eine Baustelle sind, haben sich die HAN6 BaustelleStudierenden und die Lehrenden kurz kennenlernen können, mögliche Kommunikationswege für das Semester angesprochen und sich dann auf den Weg zum Hauptcampus begeben.

Auf dem Weg haben sich Studierende untereinander kennengelernt. Dozierende haben die Möglichkeit genutzt, ebenfalls ihre künftigen Studierenden kennenzulernen und ein wenig auf die digitale Lehre einzustimmen.

 


Neuerscheinung: "Moscheeleben in Deutschland. Eine Ethnographie zu islamischem Wissen, Tradition und religiöser Autorität" von Ayşe Almila Akca

Im Oktober 2020 erschien die Dissertation von  Dr. Ayşe Almila Akca, Nachwuchsgruppenleiterin am BIT. Sie kann beim transcript Verlag heruntergeladen werden.

Cover Buch Almila.jpg

In ihrer Studie zeigt Akca auf, wie religiöses Wissen in Moscheegemeinden verhandelt und autorisiert wird und inwiefern Frauen und Männer an diesem Prozess beteiligt sind. Sie gibt damit tiefe Einblick in das heutige Moscheeleben in Deutschland und tritt durch fundierte ethnographische Forschung gängigen Klischees entgegen. Gleichzeitig werden Strukturen der Aushandlung differenziert dargestellt.

Das Buch gehört auf die Leseliste aller Wissenschaftler*innen, die sich mit Moscheeleben befassen, ist jedoch darüber hinaus einem anspruchsvollen am Thema interessierten Publikum zu empfehlen. 

 


Auswirkungen der Corona-Pandemie auf muslimisches Gemeinschaftsleben in Deutschland

Am 9. September 2020 beantwortete Dr. Ayşe Almila Akca die Fragen der Katholischen Akademie Freiburg und zog ein erstes Resümee der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf muslimisches Gemeinschaftsleben in Deutschland.


Kurnaz Ibn Rusd NomosNeuerscheinung: "Tradition und Fortschreibung bei Ibn Rušd"

Im Juni 2020 hat Prof. Dr. Serdar Kurnaz im Nomos Verlag den Titel "Tradition und Fortschreibung bei Ibn Rušd. Eine rechtsschulübergreifende Analyse zu Kauf- und Tauschgeschäften im islamischen Recht" veröffentlicht. Wir gratulieren!

Herr Kurnaz, welchen Leserkreis wünschen Sie sich für Ihr Buch von immerhin gut 400 Seiten?

Es richtet sich an die Expert*innen im islamischen Recht und der Rechtsmethodik. Es kann auch sehr gut als Lehrmaterial eingesetzt werden, weil anhand der Übersetzung eines Kapitels von Ibn Rusd exemplarisch der Diskussion in den verschiedenen Rechtsschulen nachgegangen wird.

Welches ist der wichtigste Punkt, den Sie in Ihrer Studie machen wollen.

Ich möchte die überragende Herangehensweise von Ibn Rušd für die Aktualisierung des islamischen Rechts aufzeigen. Er bietet Ansätze dafür, wie durch sein Verständnis, z.B. des Naturrechts, auch heutige Rechtssysteme als schariakonform aufgefasst werden können. Er leitet Rechtsprinzipien aus Sunna, Koran, der Gelehrtentradition und rationaler Argumentation ab. Dieser rechtsphilosophische Beitrag kann heute sehr gut dazu dienen, Rechtsverständnis und Rechtssysteme weiterzuentwickeln.

Wir wünschen Ihnen eine interessierte Leserschaft und einen lebhaften Niederschlag Ihrer Befunde in der künftigen Fachdiskussion! 


"Warum lässt Gott das zu?"

Dieser Frage, die in der Theologie seit Leibnitz als Theodizee bezeichnet wird, gehen Prof. Dr. Eberhard Tiefensee, Emeritus an der Uni Erfurt, und Prof. Dr. Mira Sivers vom BIT in einem Wissenspodcast der Katholischen Akademie Dresden-Meißen nach. Hören Sie, welche Antworten Theolog*innen in Christentum und Islam geben, warum angesichts Gottes Allmacht, Güte und Gerechtigkeit auch das Üble in der Welt ist und welche Bedeutung es im Schöpfungsplan spielen mag.

Zur Sendung vom 16. Juni 2020


Porträt von Prof. Dr. Mira Sievers

erschienen am 28. Mai 2020 in der Berliner Zeitung


Digitale Diskussionsrunde: „Ramadan und Corona – Wie umgehen mit der Krise?“


Volle Moscheen, gemeinsames Fastenbrechen mit Familie und Freunden. Viele Muslim*innen freuen sich das ganze Jahr über auf diese ganz besonderen Momente gelebter Gemeinschaft. Nun ist alles anders. Wegen Corona. Kein gemeinsames Abendgebet, keine Einladungen zum Iftar.

Wie gehen Muslim*innen und muslimische Gemeinden mit diesen Herausforderungen um? Wie feiern sie Ramadan mit und trotz Corona? Welche psychologischen Auswirkungen hat dieser „stille“ Ramadan auf die Gläubigen? Was kann uns ein Blick in die Geschichte islamischer Gemeinschaften lehren?

Prof. Dr. Serdar Kurnaz vom BIT tauscht sich in einem digitalen Zoom-Talk mit Prof. Dr. Bekim Agai, Direktor der AIWG (Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft),     Norbert Müller (SCHURA Hamburg) und Gülbahar Erdem (ebenfalls AIWG) aus.

Wann: 4. Mai 2020

Uhrzeit: 18:00 Uhr

Wo: Sie können die digitale Diskussion nachverfolgen unter: https://youtu.be/_olIBDbh480


Muslim*innen im "stillen" Ramadan 2020

In einer Sendung des Deutschlandfunks kommt auch Prof. Dr. Serdar Kurnaz zu Wort, wie er diesen Ramadan verbringt.


Start ins digitale Semester

Der Berliner Tagesspiegel erwähnt in seinem Bericht am 19. April 2020, dass das BIT unter den Instituten der HU ist, welches von Beginn an 100% Online-Lehre gewährleisten kann.

 


Herder Kurnaz 978 3 451 39116 3 2cmykNeuerscheinung

Das Buch "Wirtschaft und Gewissen" der Autoren Felix Körner und Serdar Kurnaz ist unter Mitarbeit von Ömer Özsoy entstanden und im Herder Verlag erschienen. 

Das Buch greift das Jahresthema des Studienjahres 2019/20 an der Jerusalem School of Theology auf: „Ökonomie, Anökonomie, Heilsökonomie. Gottesrede im Spannungsfeld von Tausch und Gabe“. Daher befasst es sich mit dem Wirtschaftsraum Arabiens des 7. Jahrhunderts, in dem der Islam entstanden ist. Themen wie die der theologische Grundhaltung der muslimischen Tradition, zur Balance zwischen Reichtum, Diesseits- und Jenseitsorientierung bis hin zu den Grundzügen des Verhältnisses von Politik und Religion werden in diesem Band behandelt.

 

 

 

 

 

 

 

 


Wie beten Muslim*innen in Corona-Virus-Zeiten?
Antworten von Prof. Dr. Serdar Kurnaz

 

Kurnaz im ZDF

Prof. Dr. Serdar Kurnaz beantwortet in der ZDF-Sendung Forum am Freitag vom 20. März 2020 u.a. die Frage, ob das muslimische Gemeinschaftsgebet währen der Corona-Pandemie durchgeführt kann.

 


„Islam, Gender und Feminismus“
Kolloquium mit Prof. Dr. Juliane Hammer am BIT

Foto:Andrea Lingthaler
Die Nachwuchsgruppe „Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft“ führte in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie in Berlin am 10. März ein interdisziplinäres Kolloquium zum Thema Islam, Gender und Feminismus durch. Zu Gast war die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Juliane Hammer (2. v. l.) von der University of North Carolina at Chapel Hill. Bereits am Tag zuvor hatte Prof. Hammer in der Katholischen Akademie einen Vortrag über muslimische Aktivistinnen in den USA gehalten. Der Vortrag sowie mehrere ihrer einschlägigen Publikationen bildeten den Ausgangspunkt der Diskussionen im Kolloquium.

Zunächst problematisierten die Teilnehmenden die grundlegenden Parameter, die die Debatten über Feminismus und Gender im Islam gegenwärtig bestimmen. Eine besondere Schwierigkeit bilde hier das Spannungsfeld zwischen patriarchalen Strukturen und Denkweisen in muslimischen Gruppen einerseits und den gesamtgesellschaftlich wahrnehmbaren islamfeindlichen Tendenzen andererseits. Für den islamischen Feminismus sei dies häufig eine schmale Gratwanderung, zumal selbst seine berechtigten Einwände gegen den Androzentrismus der islamischen Theologie mitunter Gefahr liefen, antimuslimische Stereotype und Ressentiments zu reproduzieren oder gar zu legitimieren. Nichts desto trotz, so die einhellige Auffassung der Teilnehmenden, sei eine offene und fundamentale Kritik an Geschlechterungleichheiten prinzipiell fortzuführen und weiterzuentwickeln.

Die Ausformulierung islamisch-feministischer Theologien sowohl in den USA als auch in Europa sei geprägt von eben jenem Dilemma, oder wie es im Kolloquium genannt wurde: einer „doppelten Fessel“. Andererseits aber bringe der grundsätzlich kritische Duktus feministischer Argumente eine radikale Infragestellung bestehender Autoritäten mit sich. Im Ergebnis führe dies zu einer Neuaushandlung islamischer Normen nicht nur in der islamisch-theologischen, sondern auch und vor allem in der gelebten muslimischen Praxis.

 


Foto:Moritz Göthel
Die NWG II zu Gast am IKT

Aus dem Team der Nachwuchsgruppe „Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft“ waren kurz vor Vorlesungsende am 06.02.2020 Dr. Ayşe Almıla Akca und Mona Feise zu Gast im Seminar von Dr. Silvia Richter (Guardini-Professur, IKT) „Wahrheit gibt es nur zu zweien..." - Interkultureller Austausch von Juden, Christen und Muslimen vom 18 Jhd. bis heute“.

Dr. Akca führte die Studierenden in das Konzept der Nachwuchsgruppe innerhalb des Berliner Instituts für Islamische Theologie ein und präsentierte die Einzelprojekte der NWG, die auf reges Interesse trafen: „Religiöse Praxis bei muslimischen Senior*innen“ (Bueşra Oenay), „Kunst als Form islamisch-religiöser Praxis“ (Dr. Aydın Süer), sowie „Islamische Feste, Feiern und Gedenken: Theologischer Sinn, Praktiken und die Gesellschaft“ (Dr. Ayşe Almıla Akca). Mona Feise stellte ihr eigenes Promotionsvorhaben „Religiöse Praxis in muslimisch-interreligiösen Partnerschaften und Familien“ vor.

Nach Akcas Einführung in Themen, Geschichte und Akteur*innen des christlich-muslimischen Dialogs von seinen Anfängen in den 1980er Jahren bis in die Gegenwart diskutierten Akca und Feise zusammen mit der Seminarleiterin Dr. Richter und den Studierenden am IKT über Formen und Wandel des Dialogs. Insbesondere zeigten die Studierenden Interesse an den Leitthemen der NWG: Die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen normativen Vorstellungen und religiöser Praxis, ihr wechselseitiger Einfluss und Dependenzen sowie Fragen nach der Rolle von Gender als Strukturkategorie. Beachtenswert war die Frage nach dem Verhältnis von kulturwissenschaftlicher und theologischer Forschung der NWG: Als interdisziplinäre Forschungsgruppe macht die NWG kultur- und sozialwissenschaftliche Methoden und Theorien für das theologische Erkenntnisinteresse fruchtbar. Abschließend wurde nach dieser „dialogreichen“ Erfahrung festgehalten, dass weitere Formen der Zusammenarbeit und des Dialogs zwischen der NWG und dem IKT wünschens- und erstrebenswert sind.


Am 6. Januar 2020 fragte der Berliner Tagesspiegel "Wie läuft es am Berliner Islam-Institut?"


Akca Preis.jpgBIT-Wissenschaftlerin Ayşe Almila Akca erhält den DAVO-Dissertationspreis 2019

Dr. Ayşe Almila Akca (links im Bild), Nachwuchsgruppenleiterin am Berliner Institut für Islamische Theologie der Humboldt-Universität zu Berlin, hat für ihre Dissertation über Legitimation und Autorisierung von Islamischen Wissen in Moscheen in Deutschland den Dissertationspreis 2019 der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient (DAVO) erhalten. Mit dem mit 3000 € Preis wird die beste deutsch- oder englischsprachige Dissertation im Bereich der gegenwartsbezogenen Orientforschung ausgezeichnet, die von einem Mitglied der DAVO an einer Universität eingereicht wurde. Akca teilt sich den Preis mit zwei weiteren Wissenschaftlerinnen aus der Politikwissenschaft und der Sozialwissenschaft. Die Auszeichnung wurde am 03.10.2019 im Rahmen des 26. DAVO-Kongresses in Hamburg durch den DAVO-Vorsitzenden Prof. Dr. Günter Meyer feierlich überreicht.

Die Studie von Frau Akca wird im Frühjahr 2020 unter dem Titel "Moscheeleben in Deutschland. Eine Ethnographie zu Islamischen Wissen, Tradition und religiöser Autorität" im transcript Verlag (Bielefeld) erscheinen.


Weiterbildung "Muslimische Potenziale in der Sozialen Arbeit"

Das Berliner Institut für Islamische Theologie führt in Kooperation mit der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und dem International League of Academics (ILM e.V.) eine zertifizierte Weiterbildung zu Muslimischen Potenzialen in der Sozialen Arbeit durch.

Die Beschreibung der Module sowie die Anmeldung (bis 31.01.2020) für Personen, die in Moscheegemeinden sozial-caritative Leistungen erbringen, oder die ihre Kompetenz in der Sozialen Arbeit im Hinblick auf Religionssensibilität erweitern möchten, finden Sie unter folgendem Link.

 


Workshop: Islam in der Praxis - Akteur*innen, Praktiken und Alltag am 29./30.2019

 

WS Praxis
Wie sieht im deutschen Kontext der Islam in der Praxis aus? Wie lassen sich die verschiedenen Erscheinungsformen islamisch-religiöser Praxis adäquat beschreiben und analysieren? Was sind ihre materiellen – körperlichen wie dinglichen – Komponenten? Welchen sozial geteilten Sinn schreiben Muslim* innen ihrer jeweiligen Praxis zu? Welche empirischen Forschungsmethoden braucht es für die Praxisforschung? Welche Impulse können aus der Analyse der Praxis für den Erkenntnisgewinn der islamtheologischen Forschung in Deutschland ausgehen?
Diesen und anderen Fragen geht der erste interdisziplinäre Workshop der Nachwuchsgruppe (NWG) „Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft“ im intensiven Austausch mit Theolog*innen und Sozialwissenschaftler* innen nach.
Anhand unterschiedlicher Themenfelder soll die breite religiöse Praxis von Muslim*innen von ihrer Engführung auf Beten oder Anwendung von ḥalāl/ḥarām-Kategorien gelöst
und um Praxen wie ethisches, sittliches und gemeinschaftliches Handeln ergänzt werden.
Leitfragen des Workshops sind insbesondere, in welchem Verhältnis islamisch-religiöse Praxis zu den normativ formulierten Glaubensinhalten steht und wie diese Verflechtungen in islamtheologischen Studien gebührend berücksichtigt werden können.
 

Studium „Islamische Theologie“

Zum Wintersemester 2019/20 bietet die Humboldt-Universität erstmals ein Studienangebot für das Fach „Islamische Theologie“ an. Studieninteressierte haben die Möglichkeit, sich ab dem 1. Juni für einen Mono- oder einen Kombinationsbachelorstudiengang (Kern- und Zweitfach, zunächst ohne Lehramtsoption) zu bewerben. In den kommenden Jahren soll das Studienangebot weiter ausgebaut werden.

Zum Artikel
 


Mitglieder des Beirates für das Berliner Institut für Islamische Theologie stehen fest

Das Berliner Institut für Islamische Theologie (BIT) an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) wird zum Wintersemester 2019/20 seinen Betrieb aufnehmen. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist die Einrichtung des Beirates. Dessen Mitglieder sind nun bestellt und werden in Kürze ihre Arbeit für ein bundesweit herausragendes Projekt aufnehmen: Als erstes Islamisches Institut an einer deutschen Universität wird das BIT sunnitische und schiitische Theologie im Vergleich anbieten.

Zur Pressemeldung

 


Die erste Forscherin des Berliner Instituts für Islamische Theologie

Ayşe Almila Akca baut eine Nachwuchsgruppe zum Forschungsschwerpunkt religiöse Praxis auf

Ayşe Almila Akca
Dr. Ayşe Almila Akca
Foto: Matthias Heyde

„Ich wollte schon immer verstehen, warum Menschen glauben und wie sie ihren Glauben leben“, sagt Ayşe Almila Akca. Die Islam- und Politikwissenschaftlerin ist neu an der Humboldt-Universität. Sie ist die erste Forscherin, die am Berliner Institut für Islamische Theologie forschen wird – als Nachwuchsgruppenleiterin. Zusammen mit einer, einem Postdoc und einer Doktorandin oder einem Doktoranden wird sie unter dem Titel „Islamische Theologie im Kontext von Wissenschaft und Gesellschaft“ arbeiten.

Zum Artikel

 

 

 


Millionenförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 

Das Berliner Institut für Islamische Theologie (BIT) ist auf gutem Wege, seine Lehr- und Forschungstätigkeit wie geplant im Oktober nächsten Jahres aufzunehmen. Im Oktober 2018 bewilligte das BMBF 5,7 Millionen Euro für den Zeitraum von 2019 bis 2023, in dem zwei sogenannte Forschungsprofessuren für jeweils fünf Jahre finanziert werden: eine für islamische Ideengeschichte und eine für Vergleichende Theologie. Zudem bewilligte das BMBF auch die Nachwuchsgruppenleitung „Islamische Theologie im Kontext ‚Wissenschaft und Gesellschaft‘“, die bereits zum 1.1. 2019 ihre Arbeit aufnehmen soll. Diese Nachwuchsgruppe wird gesellschaftsrelevante Themen aus islamtheologischer Perspektive erforschen, dazu zählen beispielsweise muslimische Gemeinden im säkularen Rechtsstaat, sexuelle Diversität als religiöses Problem, religiöse Kleidungsvorschriften sowie Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.

Weitere Informationen

 


 

Michael Borgolte
Prof. Dr. Michael Borgolte,
Foto: Fabian Dombrowski

„Wir legen Wert auf eine Theologie der Vielfalt“

Interview über das Berliner Institut für Islamische Theologie mit dem Gründungsdirektor Michael Borgolte

Was genau soll am Institut erforscht werden?

Prof. Dr. Michael Borgolte: Forschungsfreiheit bedeutet, dass die am Institut tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Inhalte ihrer Forschungen selbst bestimmen. Das kann ihnen niemand vorschreiben; beschränkt sind sie nur durch die Denominationen ihrer Professuren oder sonstigen Stellen. Die HU strebt aber an, besonders solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu berufen und anzustellen, die vergleichend innerhalb islamischer Traditionen und Lehren arbeiten und sich nach außen im interreligiösen Vergleich dem Dialog mit verwandten Fächern stellen. Außerdem sollte Islamische Theologie stets offen für Fragen und Probleme der Gesellschaft in der globalisierten Welt sein.

Wird es einen besonderen Fokus oder Schwerpunkte des Instituts geben?

Das Berliner Institut für Islamische Theologie legt Wert auf eine Theologie der Vielfalt und wird insbesondere sunnitische und schiitische Lehren vergleichend würdigen. Seine wissenschaftlichen Ziele verfolgt es in enger Kooperation mit christlichen Theologien sowie mit weiteren religionsbezogenen Studien an der HU und in der Berliner Wissenschaftslandschaft im Ganzen. Angesichts von rund 300.000 muslimischen Einwohnern in Berlin stellt sich das Institut als gleichrangige Aufgabe der Ausbildung junger Theologinnen und Theologen, die sich auf der Grundlage rationaler Durchdringung islamischer Glaubensinhalte für den Schuldienst sowie für Tätigkeiten in Moscheegemeinden, Zivilgesellschaft und Wohlfahrtspflege qualifizieren.

Mehr zum Interview